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Margit Schäfer, Diplomarbeit 2004

Ariadnes Warten

Eine Mixed-Media Installation in der Alten Baumwollspinnerei, St. Ingbert

Ariadnes Warten setzt sich mit einem Weiblichkeitskonzept auseinander, dass bis zur Grenze der aufopfernden Liebe geht. Gleich dem Mythos von Ariadne und Theseus wird Liebe als Ausnahmezustand betrachtet, der nicht andauern kann. Die Schwäche weiblicher Identitätskonstruktionen wird in dieser Arbeit einerseits als Passionsgeschichte vorgeführt, andererseits möchte sie zu einer Auseinandersetzung damit einladen.

So befindet sich im alten Baumwolllager eine Ausstellungsarchitektur, deren elf Räume als Labyrinthe angeordnet sind. In einigen Räumen präsentieren sich Fototafeln an den Wänden und auf dem Boden. Sie zeigen Wäsche und Kleidungsstucke eines Mannes mit den Initialen C und K. Die beiden Buchstaben sind Platzhalter und Leerstelle und dienen als Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Protagonistin.

Wer das Labyrinth betritt wird in der multimedialen Rauminstallation auf mehreren sinnlichen Ebenen angesprochen: Eine Seifensammlung aus internationalen Hotels und Schlafwagen duftet, eine Nähmaschine beginnt wie von Geisterhand die Initialen CK zu nähen, der Holzdielenboden wird in einem Raum zur Tafel, der nächste Raum lässt sich nur passieren, indem mann/frau sich eine Spur durch rote Wollfäden bahnt, die wie langes Haar vom Boden bis zu den Rohren der Decke reichen. Der Rundgang endet mit einer Leinwandbuhne, auf der das verblasste Bild einer jungen Frau in den Wellen des Meeres projiziert ist, die ihr langes Haar auskämmt und dabei abschneidet. Über allem zieht sich die Sehnsuchtsmelodie der Frau, die beschwörend singt, dass ER wiederkehren soll.

"Immer, wenn ich durch die Lichtung kam und die Zweige sich öffneten, wenn die Ruten mir das Wasser von den Armen schlugen, die Blätter mir die Tropfen von den Hören leckten, traf ich auf einen, der hieß. Ja, diese Logik habe ich gelernt, dass ihr alle so heisst, einer wie der andere, aber doch nur einer. Immer nur einer ist es, der diesen Namen trägt, den ich nicht vergessen kann, und wenn ich euch auch alle vergesse, ganz und gar vergesse, wie ich ganz geliebt habe. Und wenn eure Kusse und euer Samen von den vielen großen Wassern - Regen, Flössen, Meeren - längst abgewaschen und fortgeschwemmt sind, dann ist doch der Name noch da, der sich fortpflanzt unter Wasser, weil ich nicht au/hören kann, ihn zu rufen."
(Text Bodenarbeit mit Kreide - Auszug aus ,,Undine geht" von Ingeborg Bachmann)




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