hausig

workshops

diplomarbeiten


Schlaflabor

03:55:00 – 04:10:55
von Pia Müller

Inhalt


Vorwort.....................................................................................3.

1 Kontext zu meiner Diplomarbeit.......................................4.
1.1 Einleitung............................................................ ..............4.
1.2 Definitionen.......................................................................4.
1.3 Die Bedeutung eines Tagebuches...............................4.
1.4 Tage- bzw. Nachtbücher..................................................5.
1.5 Medizinische Nachtbücher..............................................5.

2 Schlaflabor.............................................................................6.
2.1 Geschichte der Schlafforschung....................................6.
2.2 Ablauf im Schlaflabor........................................................7.
2.3 Schlafphasen.....................................................................8.
2.4 REM–Schlaf........................................................................9.

3 Traumdeutung.......................................................................11.
3.1 Trauminhalt.........................................................................12.
3.2 Angsttraum.................................................... ..................12.

4 Performance........................................................................14.

4.1 Geschichtlicher Kontext.....................................................14.
4.2 Eigener Performanceansatz..............................................14.
4.3 Traum - mein künstlerisches Thema..............................16.

5 Diplomarbeit.........................................................................17.

5.1 Konzept.............................................................................17.
5.2 Ort der Präsentation..........................................................18.
5.3 Rauminstallation................................................................19.

Schlusswort.............................................................................21.


Vorwort
Anhand des folgenden Textes möchte ich versuchen, Ihnen mein Interesse an der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Schlaflabor“ näher zu bringen.

Leicht bekleidet, gehe ich
In Richtung meines heimeligen Gefühls.

Eine Ahnung, Laufen;
Horchen, Verstecken,
Laufen, laufen.

Zu vieren gehetzt in Dunkelheit.
Ein bewegtes Standbild, in Furcht.

Erwachsen erwachen,
immer wieder.


1 Kontext zu meiner Diplomarbeit

1.1 Einleitung
Wie würden Sie die vorangegangenen Zeilen bezeichnen oder einordnen?
Ein Gedicht? Ein Bericht? Ein Märchen?
Auf den ersten Blick könnte es ein Gedicht sein. Handelt es sich um einen Bericht oder um ein schreckliches Erlebnis geschrieben aus subjektiver Sicht? Die Möglichkeit einer Fiktion, einer erfundenen Geschichte ist auch gegeben. Es ist nicht einfach Schriftstücke einzuordnen, ohne genaue Quellenangabe. Deshalb ist das Umfeld, der Kontext eines Textes für das Verständnis sehr wichtig.
In diesem Fall handelt es sich um Zeilen aus meinem Traumtagebuch, der Eintrag ist datiert mit dem 25.Juni 2005.

1.2 Definitionen
„ Ein Traum [zu Trug], beinhaltet auftretende seelische Erlebnisse im Schlafzustand, die wir im Wachzustand nur durch Erinnern wissen. Sie werden in einem eingeschränkten und veränderten Bewusstsein, dem Traumbewusstsein, erlebt und entstehen passiv ohne ich zentrierte Lenkung... Die Erinnerung verfliegt meist sehr schnell; eine völlig treffende Wiedergabe von Trauminhalten in sprachlicher Form ist nicht möglich. Visuelle Eindrücke und Bilderwelten entstehen.“1

Tagebuch „Buch für tägliche Aufzeichnungen über Erlebnisse aus dem eigenen Leben und Schaffen...Tag und Nachtbücher..., um Beobachtungen, Gedanken, Empfindungen in einer möglichst unmittelbaren, unsystematischen, oft nur scheinbar kunstlosen Weise mitzuteilen.“2

1.3 Die Bedeutung eines Tagebuchs
Zu Zeiten strenger Zensur oder politischer Unterdrückung konnten Freigeister nur ihren Tagebüchern anvertrauen, was sie bewegt. Ein berühmtes Beispiel ist das Tagebuch der Anne Frank (1929 -1945), mit ihren Aufzeichnungen hat sie zur Aufklärung der Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg beigetragen und hat uns auf einem für ihr Alter enorm hohen
Reflexionsniveau, die Welt der Gefühle von verfolgten und dem Tode bedrohten Menschen näher gebracht.

1.4 Tage- bzw. Nachtbücher
In Bezug auf meine künstlerische Arbeit zum Thema Schlaflabor sind die Nachtbücher in der Psychologie sehr wichtig. Diese Art Tagebücher beinhalten Geschichten ähnlich der Zeilen aus meinem persönlichen Traumtagebuch. Sigmund Freud (1856-1939) war einer der Psychoanalytiker, der sich intensiv mit Schlaf und Traum auseinander gesetzt hat. Er verfasste Anfang des 20. Jhds. die erste Abhandlung seines Werkes über „Die Traumdeutung“. Mit Hilfe seiner eigenen aufgeschriebenen Träume und der seiner Patienten, stellte er seine umfangreiche Theorie über das menschliche Schlaf- und Bewusstseinsverhalten auf. „Ich habe selbst an eigenen Träumen erfahren, wie sehr man mit der Aufdeckung der Herkunft einzelner Traumelemente vom Zufalle abhängig bleibt. So verfolgte mich durch Jahre vor der Abfassung dieses Buches das Bild eines sehr einfach gestalteten Kirchturmes, den gesehen zu haben ich mich nicht erinnern konnte. Ich erkannte ihn dann plötzlich, und zwar mit voller Sicherheit, auf einer kleinen Station zwischen Salzburg und Reichenhall.“3 Mit diesem und ähnlichen Traumbeispielen aus Nachtbüchern, veranschaulichte Freud seine Studie über das Gedächtnis im Traum, auf die ich später noch genauer eingehen werde.

1.5 Medizinische Nachtbücher
Diese Tagebücher, bestehend aus Diagrammdaten, sind medizinische Nachtbücher und stellen eine moderne Art des Tagebuchs dar. Die Schlafmedizin schreibt zwar keine Nachtbücher im klassischen Sinne über die Gedanken und Erinnerungen der Patienten in der Nacht, sondern erfasst reine Daten in Diagrammform: Diese Diagramme zeichnen mit Hilfe von verschiedenen Messgeräten, die mit bestimmten Punkten am Körper des Patienten durch Elektroden verbunden sind, Daten auf. Mit diesen Daten werden die körperliche Zustände des Partienten aufgezeichnet und lesbar gemacht. Zum Beispiel können Herzrhythmusstörungen durch „Atemaussetzer“ im Schlaf verursacht werden. Im sogenannten Apn. Hypo-Index (AHI) wird jede kleinste Veränderung des Atmens registriert

und ermöglicht es so den Ärzten anhand dieser Daten abzulesen, ob die Herzbeschwerden dadurch verursacht werden.

2 Schlafforschung

2.1 Geschichte der Schlafforschung
Die Faszination sich mit Schlaf und Traum zu beschäftigen ist bis in die Zeit der alten Griechen und Römer zurück zu verfolgen. Über Fragen wie: „Was ist ein Traum?“ und „Wie kommt ein Traum mit seinen Bilder zustande?“, haben sich schon Philosophen wie Aristoteles (384-322 v.Chr.) und Cicero (106-43 v. Chr.) Gedanken gemacht und zahlreiche Schriften dazu verfasst. Jedoch waren sie damals noch nicht in der Lage ihre Thesen mit medizinisch-wissenschaftlichen Untersuchungen, wie das in der heutigen Zeit der Schlaf-forschung möglich ist, zu untermauern.

Der Durchbruch für die Schlafforschung kam erst mit der Erfindung des Elektoenzephalogramm (EEG) von H. Berger, dem es 1929 gelang die menschliche Gehirnwellenaktivität in Form von Hirnstrombildern aufzuzeichnen. Die Forscher A. L. Loomis und später N. Kleitmann und Aserinsky schafften es 1937 durch ihre Weiterentwicklung, die Wissenschaft davon zu überzeugen, dass mit dieser Technik nicht nur verschiedene Grade des Wachseins, sondern auch die verschiedenen Arten des Schlafes aufgezeichnet und unterschieden werden können.

Im Zuge meiner Nachforschungen wurde der Wunsch, einmal selbst zu erleben, wie es ist in einem Schlaflabor zu nächtigen, um die Ergebnisse später in meine Diplomarbeit einfließen zu lassen, immer größer. Die Aussicht mit Geräten verbunden zu sein, die meinen Schlafzyklus aufzeichnen, wie und wann ich schlafe, faszinierte mich. Einen Zustand wie der des Schlafens, den ich als Mensch nicht bewusst wahrnehme, kontrollieren zu lassen und durch medizinische Geräte ablesbar zu machen, genau dies wollte ich einmal aus der Sicht eines Patienten erleben. Auf Grund dessen schrieb ich ein Kurzkonzept meines geplanten künstlerischen Vorhabens und schickte es an einige
Schlaflabore. Mitte September letzten Jahres bekam ich eine Zusage vom Schlaflabor des St. Elisabeth Krankenhauses in Wittlich, unter der Leitung von Dr. med. Gebauer. Nach einer Vorbesprechung wurde der Termin für die Nacht vom 02. November auf den 03. November 2005 festgelegt.

2.2 Ablauf im Schlaflabor
Die Anreise war am Morgen des 02. November 2005, wo erste Untersuchungen wie z.B. Blutdruckmessung bei mir gemacht wurden. Eine Technikerin kam am Mittag, um die 20 Elektroden der Messgeräte an meinem Körper anzubringen und diese anschließend einmal durchzutesten, um eventuell auftretende Fehler noch beheben zu können. Diese Tests sah sich der Oberarzt vor der Visite an und um 17.00 Uhr war Vorbesprechung mit dem Ärzteteam. So gegen 23:00 Uhr kam der Arzt noch einmal, um mich an die Geräte anzuschließen, welche die erforderlichen Daten meines Schlafes aufzeichnen sollten. Am nächsten Morgen wurden die Geräte von einem Techniker abgeschaltet. Anschließend entfernte eine Krankenschwester alle Elektroden bis auf zwei, die sich vorne am Kopf befanden und durch einen speziellen Gips an der Kopfhaut befestigt worden waren, so dass ich diese selbst mit Seife und warmen Wasser entfernen musste.

2.3 Schlafphasen
Anhand meiner Daten und Bilder, die im Schlaflabor des
Krankenhauses entstanden sind, möchte ich die einzelnen Schlafphasen bis hin zur Traumphase erläutern:

Unser Gehirn produziert kontinuierlich Energie und reagiert auf Reize. Diese Gehirnwellenaktivität wird an der Oberfläche unseres Schädels durch Elektroden abgeleitet. Ein Elektroenzephalogramm (EEG) zeichnet diese Signale als Hirnstrombilder auf. 1937 machte Loomis mit seinen Mitarbeitern die wichtige Entdeckung, dass die Form der Gehirnwellen sich mit dem Beginn des Schlafens ändert. Und das es während des Schlafens unterschiedliche Hirnaktivitäten gibt. Das heißt durch die Veränderung der Hirnaktivität entstehen die unterschiedlichen Schlafphasen.

Es werden vier Schlafphasen unterschieden, die sich drei bis fünfmal während einer Nacht wiederholen können. Beginnend mit dem entspannten Wachzustand (WK) und dem Einschlafstadium (MVT), schließen sich zwei Phasen des Leichten Schlafes an (S1 und S2) und es geht weiter über den Mittleren Schlaf (S3), bis hin zum Tiefschlaf (S4). Am Ende der Tiefschlafphase entsteht jeweils die Traumschlafphase (REM-Phase).


2.4 REM-Schlaf
Der Traumschlaf ist ein von den übrigen Schlafstadien unterschiedlicher physiologischer Zustand, der in meiner Diplompräsentation eine wichtige Rolle einnimmt, weshalb ich im Folgenden auf seine beiden wichtigsten Merkmale genauer eingehe:

Augenbewegung: Kleitmann und Aserinsky registrierten an Kindern Körperbewegungen im Schlaf. In regelmäßigen Abständen von ungefähr einer Stunde stellten sie unter den Augenlidern Phasen fest, in denen sich die Augäpfel schneller
bewegten. Diese Augenbewegungen mit dem englischen Begriff „rapid-eye-movement“ benannt, kurz REM-Phase, treten im Allgemeinen in Gruppen, über mehrere Sekunden (max. 23 sec.) auf, die von unterschiedlich langen, stillen Zwischenzeiten (200 ms.-23 sec.) unterbrochen sind. Diese Bewegungen sind das charakteristische Merkmal von Traumschlaf und werden im Elektrookulogramm (EOG) abgelesen (Siehe Abb. S.11).
Muskelaktivität: Einen weiteren physiologischen Aspekt, neben den Augenbewegungen entdeckten Berger und Oswald 1962. Sie stellten Muskelaktivität von Gesichts- und Nackenmuskulatur (EMG) in Traumphasen fest. Diese Muskelaktivitäten stellt die folgende Grafik dar:
Erläuterungen zur Abbildung*:

EEG: Hirnstromwellen, Elektroenzephalogramm
EOG: Augenbewegung, Elektookulogramm
EMG: Muskelaktivität in Gesicht und Fingern, Elektromyogramm

Wie in der Grafik sichtbar wird, gehen die Bewegungen der Augen mit Zuckungen der Arme und Beine einher. Obwohl während der REM-Phase die für die Bewegung zuständigen Nervenzellen gehemmt sind, d.h. der Muskeltonus kommt zum erliegen (Antonie), treten immer wieder Zuckungen der Arme und Beine auf. Das unangenehme Gefühl des Gelähmtseins während mancher Träume, wird durch die Antonie verursacht; daher passiert es selten, dass Haltungsänderungen während des Traums vom Schlafenden vorgenommen werden.

3 Traumdeutung

Welchen physiologischen Zustand der Körper im Traumschlaf erreicht und wie dieser sich im Schlaf äußert, habe ich am Stand der heutigen Medizin aufgezeigt. Aber was spielt sich während eines Traumes im sogenannten Traumbewusstsein ab? Wodurch entstehen die Geschichten im Traum? Diese und viele andere Fragen beschäftigen mich und möchten eine Antwort. Der erste Psychoanalytiker, auf den ich stieß, war
Sigmund Freud. Freud sah Träume als symbolischen Ausdruck unbewusster Wünsche. Mit anderen Worten, der menschliche Körper verhält sich wie ein Schwamm, der jegliche Impulse, die nicht direkt verarbeitet werden, sowohl bewusste als auch unbewusste, aufsaugt und im Unterbewusstsein speichert. Allerdings verlangen diese gespeicherten Informationen unentwegt nach Reproduktion, gleichbedeutend der Wiederholung als Wunscherfüllung. So lautet die Freudsche These: „ Der Traum ist eine Wunscherfüllung.“ 4

3.1 Trauminhalt
Wie eine Schaltzentrale zensiert die Psyche, das Vorbewusstsein, die aufgenommenen Daten und Wünsche unseres Unterbewusstseins. Intensiviert sich ein Impuls, ein Wunsch, dass er die Aufmerksamkeit des Vorbewusstseins, des Zensors erlangt, dann entscheidet dieser, ob der Impuls weitergeleitet wird oder nicht. Leitet das Vorbewusstsein den Wunsch weiter, entsteht aus ihm ein Trauminhalt. Andernfalls unterdrückt der Zensor den Wunsch, dieser behält seinen Platz im Unterbewusstsein bei und hegt weiterhin den Wunsch ins Bewusstsein zu gelangen. Von Freud wird dies als „Königsweg zum Unterbewusstsein“5, betitelt. Der Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) würde diesen Bewusstseinszustand jedoch nicht als Vorbewusstsein, sondern als „Noch – Nicht – Bewusstsein“ bezeichnen.

Genau dieser Moment zwischen kontrollierter und unkontrollierter Wahrnehmung macht für mich die Faszination des Themas aus.

Ein weiterer Trauminhalt können „Tagesreste“ sein: Ungelöste Sorgen des Tages können dem Schlafenden die Ruhe rauben. Diese Tagesreste „verbinden sich mit einem Wunsch aus dem Unterbewusstsein, finden ihre Erledigung in der halluzinierten Wunscherfüllung und gestatten damit drängende psychische Bedürfnisse mit denjenigen nach Schlaf so zu verbinden, dass beide Seiten auf ihre Kosten kommen; der Schlaf wird fortgesetzt, gerade weil geträumt wird und es so gelingt, die Anforderungen des Tages unschädlich zu machen.“6

3.2 Angsttraum
Wie entstehen angsterfüllte Träume? Während des Schlafes
kommt es zu kurzzeitigen Entspannungsphasen des Zensors (des Vorbewusstseins). In diesen können Wünsche verdrängter Impulse in gehemmter, d.h. in veränderter Form, als Trauminhalt in Erscheinung treten. Ein solcher sogenannter „libidinöser Impuls“, der vom Bewusstsein ausgeht und vom Vorbewusstsein gehemmt wird, löst im Traum Ängste aus. Diese äußern sich in zwei unterschiedlichen Formen, sie können direkt oder indirekt in den Traum einfließen:

Direkter Angsttraum
Diese Träume beinhalten Bilderwelten von schrecklichen Situationen. Zum Beispiel das Fallen aus großer Höhe oder eine Verfolgung sind zwei typische Szenen für direkte Angstträume. Im schlimmsten Fall führen solche Albträume zum Schweiß gebadeteten Erwachen des Träumenden.

Indirekter Angsttraum
Indirekte Angstträume sind schwerer auszumachen. In solchen Träumen passiert es dem Schlafenden, dass er, obwohl es sich um eine banale Problemstellung handelt, dennoch keine Lösung findet. Dieses „Feststecken“ in der Traumhandlung bezeichnet man auch als Lähmung oder Hemmung. Anhand eines Beispiels erkläre ich dies näher: Die Traumsituation spielt an einem Bahnsteig, an dem die betreffende Person abfahren möchte. Der Zug fährt ein. Allerdings ist es ihr unmöglich, die direkt neben sich stehende Tasche zu greifen, um mit dieser einzusteigen. So fährt ein Zug nach dem anderen ohne sie ab. Diese Art Träume können endlos erscheinen und sehr beklemmend sein.

4 Performancekunst

4.1 Geschichtlicher Kontext
An dieser Stelle möchte ich kurz, auf die Geschichte der Performance-Kunst eingehen. Seit den frühen 70er Jahren wird das Wort „Performance“ als Bezeichnung für Aktionen von bildenden Künstlern verwendet. Diese neue Ausdrucksform wurde zum Begriff für Künste, deren Schwerpunkt auf der Handlung liegt. Weder die Technik, das Material und die Medien sind darin festgelegt, noch ist die Anzahl der Personen, die den Ort mit einer Performance bespielen eingeschränkt. Die Dauer und der Präsentationsort sind ebenfalls frei wählbar für den Künstler. Im Zentrum fast jeder Performance steht das visuelle Erlebnis und nicht die Herstellung eines dauerhaften Produkts. Vielmehr beinhaltet diese Kunstrichtung die Schaffung eines einmaligen, ephemeren Ereignisses, das mit allen Sinnen wahrgenommen und nur im Gedächtnis des Rezipienten festgehalten werden kann.

4.2 Eigener Performanceansatz
Seit über zehn Semestern nehme ich regelmäßig am Performance-Training der Hochschule teil. Die ersten vier davon wurde ich von dem Künstlerduo Stoll/ Wachall unterrichtet, die einen Lehrauftrag für diesen Bereich hatten. Im Anschluss daran belegte ich das „Performance-Training für Fortgeschrittene“ bei Professorin Ulrike Rosenbach, an dem ich bis heute aktiv teilnehme. Mit Hilfe von Bodyflow-Übungen den eigenen Körper kennen zu lernen und als ein Arbeitsmedium zu nutzen ist ihr dabei ein Anliegen.

Im Laufe dieser Zeitspanne bekam ich ein immer besseres Gespür für meinen Körper und lernte ihn als Empfänger von Eindrücken und als künstlerisches Ausdrucksmittel zu nutzen. Dabei entwickelte ich immer höhere Anforderungen an mich selbst: Meinen Köper auf innere und äußere Einflüsse aufmerksam machen, ihn dafür zu sensibilisieren und einen Umgang mit eben diesen Erfahrungen lernen.

Eine wichtige Rolle dabei spielen für mich körperliche Grenzen, die ich eher als Herausforderung und nicht nur als eine Qual ansehe. Vorab nicht zu wissen, wie der eigene Körper

reagieren wird, das macht den besonderen Reiz der Performancearbeit für mich aus. Mit „Bodyflow“ wird diese Art des Umgangs mit dem Körper benannt. Im besten Fall entwickelt sich aus einem Gefühl oder Eindruck ein Impuls und damit eine künstlerische Idee, die ich in Form einer Performance, d.h. mit meinem Köper als Ausdrucksmedium umsetzen kann.

Schon seit geraumer Zeit zieht sich die Faszination an körperlichen Zuständen, welche ich nicht mehr willentlich beeinflussen und steuern kann durch meine Arbeit. Eine meiner letzten Videoarbeiten „puppenstunde“ ( 3:45min., 2004) spielt beispielsweise mit dem Prozess der Essensaufnahme. Inhalt ist eine „Fütterung“ mit Erdbeeren, in immer schneller werdender Abfolge. Die anfänglich positiv belegte Situation kippt und es entwickelt sich ein Szenario, welches Emotionen von Lachen über Heulen bis hin zum Ekeln weckt. Das Ende bleibt für den Betrachter offen.
Für das Gelingen einer Performance ist mir die Arbeit, der Umgang mit dem Raum, in der das Geschehen stattfindet, sehr wichtig. Ich nehme installative Eingriffe vor, so dass der Raum seine Aufgabe, mit seiner Energie die Performanceaktion aufzuladen und zu unterstützen, erfüllen kann, d.h. mit seiner Beschaffenheit die Performance in der gewünschten Thematik halten kann. Der so entstandene Bildraum hilft mir mich in den richtigen körperlichen Zustand zu versetzen. Während meiner Performances bewege ich meinen Körper oft bis an dessen Grenzen, bis hin zur Bewusstseinsverschiebung, wobei nicht mehr mein Geist die Kontrolle behält, sondern der Körper
die Führung übernimmt. Diese Verschiebung bezeichne ich in meiner Performancearbeit als Zustand der „Authentizität“. Im Gegensatz zu einem Schauspieler am Theater oder einer Tänzerin im Ballett, studiere ich nichts ein, sondern entwickele Gesten und sprachliche Äußerungen während der Aktion von Innen heraus

4.3 Traum, mein künstlerisches Thema
Der körperliche Zustand des Traumschlafes, den ich selbst als Person immer wieder durchlebe, ist nicht aktiv kontrollierbar und fasziniert mich gerade deswegen sehr. So kann ich weder vorherbestimmen, an welchen Tagen ich mich an Träume erinnern, noch kann ich mitbestimmen, ob sie positiver oder negativer Natur sein werden. Durch die Erkenntnisse der Medizin weiß ich jetzt, dass ich in jeder Nacht bis zu fünf Träume habe und etwa ein bis zwei dieser am Morgen erinnern kann.

Als Vorarbeit begann ich damit viel zu diesem Thema zu recherchieren und zu lesen. Seit dem Tag meiner Anmeldung zum Diplom führe ich ein Traumtagebuch. In dieses schreibe ich alle Trauminhalte, an die ich mich direkt nach dem Aufwachen noch erinnern kann, damit sie nicht aus dem Kurzzeitgedächtnis verloren gehen, sondern als eine Art „persönliche Schlafforschung“ erhalten bleiben.

In Kapitel 2 (Schlafforschung) ist ausführlich beschrieben, warum ich nicht nur theoretisch etwas über den menschlichen Schlaf lernen wollte, sondern der Wunsch entstand ist selber einmal im Schlaflabor zu nächtigen, um Diagramme und eine Videoaufzeichnung meines eigenen Schlafes zu erhalten. Für die Videoaufzeichnungen beauftragte ich eine Mitstudentin, Lena Schuster, die Technik während der ganzen Nacht zu bedienen. Das so entstandene Material bildet die Basis der Videoprojektion meiner Diplominstallation. In dem Film werde ich als schlafende Person zu sehen sein, die eine Schlafphase: von Tiefschlaf, über den REM-Schlaf bis hin zum Erwachen erlebt. Zu erkennen ist die REM-Phase, die sich mit ihren typischen Augen und Muskelbewegungen (siehe 2.4 ) von den anderen Schlafstadien abhebt. Diese Sequenz beträgt eine Zeitspanne von fünfzehn Minuten, sie beginnt gemessen der Zeit im Labor um 03:55:00 und endet um 04:10:55.

5 Diplomarbeit

5.1 Konzept
Wie in Kapitel 3. beschrieben ist der Zustand des Traumschlafes ein vom Unterbewusstsein ausgehender Impuls, der ausschließlich vom Vorbewusstsein gesteuert wird. Genau an diesem Punkt stellte ich eine interessante Überschneidung mit meinem eigenen, zuvor beschriebenen Performance-Ansatz fest. Eben diese Grenze zwischen den steuerbaren und nichtsteuerbaren Erlebnissen, die in unser Bewusstsein gelangen, bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt der Entwicklung meiner Diplompräsentation.

5.2 Ort der Präsentation
Im Anschluss an meine Nacht im Schlaflabor folgte die Phase des Suchens nach einem optimalen Ausstellungsort. Fündig wurde ich in der Handwerkergasse der HBKsaar in Völklingen. Es handelt sich um einen Flurbereich, der mit seiner massiven Treppe ins Obergeschoss der Studentenateliers führt, über eine hohe Decke bis unter den Dachgiebel verfügt und somit einen abgeschlossenen Raum bilden kann. Im Fluchtplan des Gebäudes wird er als „Flur 40“ bezeichnet.
5.3 Rauminstallation
Den zuvor beschriebenen „Treppenhaus-Raum“ verdunkele ich, indem ich die Fenster mit Folie abklebe. Im Dachgiebel wird eine 10m X 1,60m große Polychesterstoffbahn als Projektionsfläche gespannt. Dahinter wird sich die Aufhängung des Beamers befinden, mit dem die Rückprojektion des Videos realisiert wird. Die Treppenstufen werden mit verzinktem Stahlblech so verkleidet, dass eine geschlossene Fläche auf ihr entsteht.
In diesem, so ausgestatteten Raum, wird die Live-Performance stattfinden, wobei sich die Zuschauer oben auf dem Treppenabsatz (1.OG) befinden und ich von unten aus (EG) agieren werde. Die Videoprojektion läuft somit auf der Ebene der Zuschauer ab, die Aktion findet unterhalb statt. Der so bewusst vorgegebene Blickwinkel für die Betrachter entspricht der Vogelperspektive, welche auch ich oft in Träumen erlebe. Die Dauer der Performanceaktion, die den Titel „03:55:00 – 04:10:55“ trägt, wird ca. 20 Minuten betragen. Inhaltlich wird es sich dabei um einen persönlich erlebten, immer wiederkehrenden indirekten Angsttraum als Trauminhalt handeln, auf den ich an dieser Stelle aber nicht näher eingehen möchte, um das Live-Erlebnis meiner Performance nicht zu schmälern.


„ Gute Jugend geht allemal den Melodien aus ihren Träumen und Büchern nach, hofft, sie zu finden, kennt heiße dunkele Irren durch Feld und Stadt, wartet auf die Freiheit, die vor Ihr liegt.“7


Prüfungstermin:
25. April 2006
Beginn: 20:00 Uhr
Handwerkergasse Völklingen
Rathausstr. 52
66333 Völklingen


Betr. Professor: Prof. D. Hausig
2. Prüfer: Prof. U. Rosenbach
Prof. T. Waliczky


Performancetermine:
28. April und der 05.Mai
Beginn: 20:00 Uhr

Übersetzung von Gabi Müller im März 2006


Bibliographie

1. Birnbaum, Nies – Schmidt, Robert F., Biologische Psychologie. Berlin – Heidelberg: Springer-Verlag, 1996
2. Bloch, Ernst, Das Prinzip Hoffnung. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1985
3. Freud, Sigmund, Die Traumdeutung. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, 2000
4. Gay, Peter, Freud. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 1998
5. Gegenfurtner, Karl R., Gehirn & Wahrnehmung. Framkfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH,2004
6. Gekle, Hanna, Wunsch und Wirklichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1986
7. Jappe, Elisabeth, Performance –Ritual - Prozeß: Handbuch der Aktionskunst. München – New York: Prestel Verlag, 1993
8. Pinel, John P.J., Biopsychologie. Heidelberg –Berlin: Suhrkamp Verlag, 2001
9. Rößiger, Monika, Das Gehirn. Nürnberg: Tessloff verlag, 1999
10. Vogel, Günter, dtv-Atlas zur Biologie. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co Ka, 1984
11. Zimbaro, Philip G., Psychologie. Berlin –Heidelberg :Springer Verlag, 1988
12. Der Grosse Brockhaus. elfter Band Sol-Unj: Wiesbaden, Brockhaus Verlag, 1975


zurück